Baugeschichte der Burg Stolberg

Begründet wurde die Burg Stolberg wohl im Übergang vom 11. zum 12. Jahrhundert. Ihre erste Erwähnung findet sich 1118. Die Herren von Stalburg waren ihre Erbauer und nannten sich nach der wörtlich "festen Burg". Von dieser Anlage konnte nichts mehr nachgewiesen werden, da die Burg als Unterschlupf von Raubrittern 1375 dem Landfriedensbund zwischen Maas und Rhein anheimfiel und unter der Führung des Bündnisoberhauptes des Markgrafen des Heiligen Römischen Reichs Wenzel von Böhmen nach einer Belagerung geschleift wurde.

Burg Stolberg 1550 Südfassade Rekonstruktion Burg Stolberg um 1550, kolorierte und ergänzte Ansicht von Süden nach meiner Rekonstruktion

Die Rekonstruktionen zeigen die Burg von Stolberg, die aus einem Neubau des 15. Jahrhunderts hervorgegangen ist. Burgenbauer war Wilhelm von Nesselrode, ein einflussreicher Vertrauter des Jülicher Herzogs Gerhard, der seit etwa 1450 eine neue Anlage errichtete.

Die Burg weist Merkmale einer so genannten Kemenatenburg auf und besaß am Ende des Mittelalters keinen Bergfried mehr. An dessen Stelle wurde die Anlage auf dem höchsten Punkt des Felsmassivs mit einem Geschützturm ausgestattet.

Sie ist eine bescheidene Burganlage des ausgehenden Mittelalters, deren Mitteltrakt Wohnzwecken diente und wehrhaft gestaltet war. Der westliche (linke) Anbau mit den nobilitierenden Kreuzstockfenstern ist ein wohl jüngerer Anbau des frühen 16. Jahrhunderts, als der Burgherr Hieronymus von Efferen das Hochgericht in Stolberg etablierte und in diesem Bau nach meinen Untersuchungen den Gerichtssaal (Link zur Leseprobe der Untersuchung) einrichtete.

Burg Stolberg 1550 Rekonstruktion Nordansicht im Winter Burg Stolberg um 1550 in winterlicher Umgebung, kolorierte und ergänzte Ansicht von Norden nach meiner Rekonstruktion

Die winterliche Ansicht von Norden zeigt eindrucksvoll den befestigten Charakter der Anlage. Der Geschützturm bildet mit zwei vorgelagerten Wehrtürmen und einer massiven Schildmauer ein effektives Bollwerk gegen den gefährdeten Sporn, der bis heute nur spärlich bebaut ist. Als Schussfeld musste er freigehalten werden. Im Bereich der steilen Felsen hatte man anfänglich auf eine gemauerte Umwehrung verzichtet. Eine Hecke als mögliches Annäherungshindernis wurde rekonstruiert. Hinter der Schildmauer versteckt sich die Fassade mit Freitreppe und Eingang zum Hauptgeschoss. Sie konnte dadurch geringmächtiger aufgemauert werden und weist auf beiden Stockwerken zahlreiche Fensteröffnungen auf, whingegen die Südfassade nur durch zwei kleine Luken geöffnet ist. Der rechteckige Turm im mittleren Bereich ist der zur zentralen Erschließung dienende Treppenturm, der ebenso wie die Schildmauer 1888 vollständig abgetragen wurde.

Farbige Fassung Rekonstruktion Burg Stolberg Burg Stolberg im 17. Jahrhundert, farbige Fassung der Rekonstruktion
Burg Stolberg im 17. Jahrhundert, Rekonstruktion

 

Die Blüte der Burg hatte sie im 16. Jahrhundert, in der Folge wurden keine nennenswerten veränderungen mehr vorgenommen.

Ihre gute Erhaltung bis ins 19. Jahrhundert verdankte sie diesem Umstand und der Tasache, dass sie einer Zerstörung durch die Franzosen im 17. Jahrhundert entkam und bis ins 19. Jahrhundert in bescheidenem Umfang genutzt wurde. Zwar wohnten die Burgherren längst nicht mehr dort, aber sie verpachteten verschiedene Räumlichkeiten. Vom Abbruch bedroht war sie seit 1863, als sie nach einem polizielichem Wohnungsverbot als Bauwerk wertlos wurde und der letzte adlige Eigentümer Reichsgraf von Kesselstatt sie an einen Kleinunternehmer zur Steingewinnung übereignete. Schließlich wurde die Burg seit 1888 historistisch umgebaut und stark verändert, der begonnene Abbruch wurde so jedoch abgewendet.

Als Rückbau der 1950er Jahre ist sie heute eine sehenswerte Anlage mit besonderer Baugeschichte und imposanter Erscheinung.

Burg Stolberg Feldarbeit Illustration Leben auf Burg Stolberg im 17. Jahrhundert: Arbeit außerhalb der Burgmauern

Diese freie Rekonstruktionszeichnung zeigt die Anlage von der nordöstlichen Angriffsseite. In Friedenszeiten, die trotz aller Klischees natürlich auch in Mittelalter und Früher Neuzeit der Normalfall waren, wurden die Freiflächen für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Als glacisartige Freifläche im Umfeld der Burg musste der Bereich natürlich frei von Bebauung und größerem Bewuchs gehalten werden. Feinde mussten frühzeitig erkannt und vor allem auch abgewehrt werden können.

Die Burg Stolberg wurde im Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert auf den Gebrauch von Schusswaffen ausgelegt. Somit fand sich im bedrohten Vorfeld der Burg, in Richtung der sogenannten Katzhecke, freies Schussfeld. Dargestellt ist eine Landarbeiterin in einfacher Tracht des 16. Jahrhunderts. Zwischen ihr und der Burganlage ist ein Grabenwerk angedeutet, was als weiteres Annäherungshindernis angenommen werden kann, weit vor der Burg können weitere Gräben oder mindestens eine Hecke vermutet werden. Die Flurbezeichnung Katzhecke dürfte darin ihren Ursprung erhalten haben. Im Hintergrund ist die abwehrbereite Befestigung der Burg am besten ersichtlich. Das erste architektonische Annäherungshindernis und Verteidgungswerk wird gebildet durch einen Zwingerbereich mit niedrigen Mauertürmen. Dahinter liegt der Geschützturm und die mächtige Schildmauer. Diese beschirmen die verborgenen Wohnbauten der Burg, die selbst dadurch nicht so stark fortifikatorisch erstellt worden sind. Im rechten Bildbereich zeigt sich die Lücke zwischen den beiden Schildmauern, die im Bereich liegt, wo Angriff und Beschuss nicht möglich waren.

Burg Stolberg Vor dem Tore Illustration Leben auf Burg Stolberg im 17. Jahrhundert: Vor dem Tore

Hier wird die Torsituation illustriert, wie sie für das 17. Jahrhundert angenommen werden kann. In Richtung Westen blickt man auf das äußere Burgtor, das bis ins 19. Jahrhundert Bestand hatte, wenige Meter vor der heutigen historistischen Torburg. Das Tor selbst war einfach gestaltet mit einem Walmdach auf der Mauerkrone, rechts daneben fand sich ein Einzelbau, vermutlich Stall- und Wächterhaus. Ob es einen Graben mit Zugbrücke gab, ist nicht belegt, muss aber angenommen werden. Den Zugang überwacht auf der Darstellung ein Torwächter in Landsknechttracht.

Links im Mittelgrund ist der Gefängnisturm innerhalb der Vorburg zu erkennen. Er lag direkt am Torweg und war als Ruine bis ins 19. Jahrhundert erhalten. Über seine Höhe und seine Dachform liegen keine Quellen vor. Rechts verblasst die Kernburg, die sich über den schroffen Kalksteinfelsen erhebt.

Burg Stolberg 1838 Burg Stolberg um 1838, Umzeichnung nach zeitgenössischer Lithographie
Burg Stolberg Lithographie Chateau de Stolberg, Lithographie, Frederic Francois d'Andiran, Paris 1838

Eine farbige Fassung in Öl einer älteren Lithografie eines französischen Künstlers von 1838. Dieser unternahm in den 1830er Jahren eine Reise durch die Region und verewigte neben der Stolberger Burg weitere Bauwerke im Aachener Raum. Im Grunde nicht nur künstlerisch wertvoll, sondern auch als bauhistorische Quelle sehr zuverlässig, bot sich das Motiv für eine farbige Bearbeitung an.

Die Architektur zeigt sich im wesentlichen seit dem 16. Jahrhundert nahezu unverändert. Lediglich der links im Bild liegende Pavillon kann als barockes Bauwerk identifiziert werden. Auch die Burgbewohner wollten nun nicht mehr auf den Genuss der Aussicht in die Natur verzichten. Der enge Burghof war ringsum geschlossen, nur an dieser Seite bot sich ein Aussichtspunkt an, von dem aus man das Stolberger Tal gut überblicken konnte.

Dominant ist der Westturm mit seiner auffälligen Renaissance-Haube, links schmiegt sich noch der verlorene Treppenturm an, der auf dieser Darstellung etwas unkorrekt als Abort vorstellt. Der Turm mit Walmdach in der Bildmitte ist der ehemalige Treppenturm als zentrale Erschließung der Wohn- und Verwaltungsräume. Links anschließend erkennt man die Reste der mächtigen Schildmauer auf der nördlichen Burgseite.


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